Ob ein Hühnerei befruchtet ist, lässt sich nicht zuverlässig allein anhand des Aussehens, der Farbe, des Gewichts oder der Form seiner Schale erkennen. Die sicherste Methode, bei der die Schale nicht beschädigt werden muss, ist das Schieren der Eier, das auch als Durchleuchten oder Ovoskopie bezeichnet wird. Nach einigen Tagen der Brut lassen sich dabei das entstehende Blutgefäßnetz, der Schatten des Embryos sowie Veränderungen der Luftkammer erkennen. Das erste gut auswertbare Ergebnis erhält man normalerweise zwischen dem 5. und 7. Bruttag, wobei der genaue Zeitpunkt unter anderem von der Farbe und Dicke der Schale, der Qualität der Lichtquelle, der Geflügelart und den jeweiligen Brutbedingungen abhängt.
Dabei muss von Anfang an berücksichtigt werden, dass die Begriffe „unbefruchtetes Ei“ und „Ei ohne sichtbaren Embryo“ nicht zwangsläufig dasselbe bedeuten. Ein Ei, das beim Schieren klar bleibt, kann tatsächlich unbefruchtet sein. Ein vergleichbares Bild entsteht jedoch auch dann, wenn der Embryo in einem sehr frühen Entwicklungsstadium abgestorben ist. In der professionellen Brutdiagnostik kann die Unterscheidung zwischen einer tatsächlichen Unbefruchtetheit und einer sehr frühen embryonalen Mortalität deshalb das Öffnen des Eis und die Untersuchung der Keimscheibe erforderlich machen.
Was versteht man unter dem Schieren von Eiern?
Das Schieren ist eine nicht invasive Methode zur Untersuchung des Eiinhalts mithilfe einer konzentrierten Lichtquelle. Der durch die Schale geleitete Lichtstrahl macht die Luftkammer, den Dotter, die Blutgefäße und den sich entwickelnden Embryo sichtbar. Dadurch können sich normal entwickelnde Eier von unbefruchteten Eiern, Eiern mit abgestorbenen Embryonen und Eiern mit anderen Auffälligkeiten unterschieden werden.
Die Bezeichnung dieser Methode geht auf das traditionelle Durchleuchten von Eiern über einer Kerzenflamme zurück. Heute werden dafür spezielle Schierlampen oder Ovoskope mit leistungsstarken, kühlen LED-Lichtquellen eingesetzt. Dies ist in der Praxis wichtig, weil eine zu starke Erwärmung der Schale während der Untersuchung den Embryo unnötig belasten kann. In professionellen Brütereien kommen außerdem automatische Durchleuchtungssysteme zum Einsatz, die ganze Bruthorden kontrollieren und Eier aussortieren, bei denen keine Anzeichen einer normalen Entwicklung festgestellt werden.
Nach Angaben der University of Illinois Extension dient das Schieren bebrüteter Eier sowohl zur Beurteilung der Befruchtung als auch zur Überwachung des Embryonalwachstums. Bei Eiern mit heller Schale können erste Veränderungen früher sichtbar werden. Braune, dicke oder stark pigmentierte Schalen lassen dagegen weniger Licht durch und erschweren eine zuverlässige Beurteilung.
Kann man ein befruchtetes Ei schon vor der Brut erkennen?
Ohne das Ei zu öffnen, lässt sich nicht mit vollständiger Sicherheit feststellen, ob ein frisch gelegtes Ei befruchtet wurde. Durchleuchten vor Beginn der Brut ermöglicht zwar die Beurteilung der Lage des Dotters, der Größe und Beweglichkeit der Luftkammer, möglicher Schalenrisse und bestimmter innerer Qualitätsmängel, zeigt aber noch kein sich entwickelndes Blutgefäßsystem.
Nach dem Öffnen eines frischen Eis kann die auf der Oberfläche des Dotters liegende Keimscheibe untersucht werden. In einem unbefruchteten Ei erscheint sie normalerweise als kleiner heller Punkt, der als Blastodiskus bezeichnet wird. Bei einem befruchteten Ei ist eine stärker strukturierte, helle und ringförmige Anlage mit einem zentralen Bereich zu erkennen, die als Blastoderm bezeichnet wird. Diese Beurteilung erfordert Erfahrung und führt zur Zerstörung des Eis, weshalb sie hauptsächlich bei der Fertilitätsanalyse einer repräsentativen Stichprobe von Bruteiern angewendet wird.
Für die Geflügelproduktion ist letztlich nicht allein die erfolgte Befruchtung entscheidend, sondern vor allem der Beginn und die Fortsetzung einer normalen Embryonalentwicklung. Aus diesem Grund wird die erste Schierkontrolle üblicherweise erst durchgeführt, nachdem sich die Eier mehrere Tage unter kontrollierten Brutbedingungen befunden haben.
Wann sollte man Hühnereier am besten schieren?
Eine erste Kontrolle kann ungefähr ab dem 5. Tag erfolgen. Für Personen mit wenig Erfahrung ist das Bild jedoch meistens am 7. Bruttag zuverlässiger zu beurteilen. Zu diesem Zeitpunkt ist ein normal entwickelter Embryo von einem deutlich sichtbaren Blutgefäßnetz umgeben, das sich über die Eihäute ausbreitet und an ein verzweigtes Spinnennetz erinnert.
Die Materialien der University of Illinois Extension weisen darauf hin, dass Eier ungefähr zwischen dem 5. und 17. Bruttag geschiert werden können. Aviagen gibt zudem an, dass die Fertilität unter Brütereibedingungen anhand der beim Schieren zwischen dem 10. und 14. Tag als klar eingestuften Eier beurteilt werden kann. Um ein tatsächlich unbefruchtetes Ei von einem Ei mit einem sehr früh abgestorbenen Embryo zu unterscheiden, kann jedoch das Öffnen und eine genauere Untersuchung erforderlich sein.
Es ist nicht notwendig, jedes Ei täglich aus der Brutmaschine zu nehmen. Zu häufiges Hantieren erhöht das Risiko mechanischer Schalenschäden, einer Abkühlung, einer Verunreinigung der Oberfläche und einer Fehlinterpretation undeutlicher Bilder. In einer kleinen Brutmaschine reichen normalerweise zwei oder drei geplante Kontrollen aus. In einer industriellen Brüterei sollte der Kontrollplan dagegen an die eingesetzte Technologie, die vorhandenen Anlagen und das betriebliche Qualitätskontrollprogramm angepasst werden.
Empfohlener Kontrollplan für Hühnereier
| Zeitpunkt der Kontrolle | Was ist erkennbar? | Wichtigstes Ziel |
|---|---|---|
| Vor der Brut | Luftkammer, Lage des Dotters, Schalenrisse und größere innere Qualitätsmängel | Vorläufige Qualitätsauswahl ohne Bestätigung der Befruchtung |
| 5.–7. Bruttag | Erste deutlich sichtbare Blutgefäße, Schatten des Embryos und gelegentlich Bewegung | Bestätigung der begonnenen Embryonalentwicklung |
| 10.–14. Bruttag | Großer dunkler Bereich, entwickelte Blutgefäße und deutliche Embryonalbewegung | Kontrolle der Lebensfähigkeit und Entfernung klarer Eier |
| 18. Bruttag | Weitgehend verdunkeltes Ei, klar erkennbare Luftkammer und gelegentlich Bewegung | Beurteilung vor dem Schlupf und Kontrolle der Luftkammer |
| Nach Abschluss des Schlupfes | Entwicklungsstadium der Embryonen in nicht geschlüpften Eiern | Diagnose der Ursachen von Schlupfverlusten |
Wie schiert man ein Ei richtig?
Die Untersuchung sollte möglichst in einem abgedunkelten Raum durchgeführt werden, weil Umgebungslicht den Kontrast verringert und das Erkennen feiner Blutgefäße erschwert. Das Schiergerät sollte einen starken, gebündelten Lichtstrahl erzeugen, ohne die Eischale übermäßig zu erwärmen. Die Öffnung oder Spitze des Geräts muss an die Größe des Eis angepasst sein, damit möglichst wenig Licht seitlich austritt.
Das Ei sollte mit sauberen und trockenen Händen aufgenommen werden, wobei ruckartiges Drehen oder Schütteln vermieden werden muss. In der Regel wird das breite Ende des Eis an die Lichtquelle gehalten, da sich dort die Luftkammer befindet. Durch eine vorsichtige Veränderung des Winkels lassen sich der Schatten des Embryos und der Verlauf der Blutgefäße besser erkennen. Besonders während der ersten Bruttage sollten alle Bewegungen ruhig und kontrolliert erfolgen.
Die Zeit, in der sich die Eier außerhalb der Brutmaschine befinden, ist auf ein Minimum zu begrenzen. Die University of Illinois Extension empfiehlt, kleinere Eiergruppen während der Kontrolle nicht länger als etwa 5–10 Minuten außerhalb des Brutgeräts zu belassen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes einzelne Ei so lange betrachtet werden sollte. Eine routinierte Kontrolle dauert normalerweise nur wenige oder mehrere Sekunden; eine längere Untersuchung kann lediglich bei einem nicht eindeutigen Bild erforderlich sein.
Eier schieren – Schritt für Schritt
- Bereiten Sie einen sauberen, abgedunkelten Raum und ein funktionierendes Schiergerät mit einer kühlen, konzentrierten Lichtquelle vor.
- Waschen und trocknen Sie Ihre Hände gründlich, um das Risiko einer Verunreinigung der Schalenoberfläche zu reduzieren.
- Nehmen Sie nur so viele Eier aus der Brutmaschine, wie innerhalb kurzer Zeit kontrolliert werden können.
- Halten Sie das breite Ende des Eis an die Lichtquelle und beurteilen Sie zunächst die Luftkammer.
- Verändern Sie vorsichtig den Winkel und achten Sie auf Blutgefäße, einen dunklen Embryo und mögliche Bewegungen.
- Dokumentieren Sie das Ergebnis anhand einheitlicher Kategorien, beispielsweise normale Entwicklung, unklarer Befund, klares Ei oder Blutring.
- Markieren Sie Eier mit einem unklaren Bild und kontrollieren Sie diese nach 24–48 Stunden erneut, anstatt sie sofort auszusortieren.
- Legen Sie die normal entwickelten Eier nach Abschluss der Untersuchung möglichst schnell zurück in die Brutmaschine.
Wie sieht ein befruchtetes Ei beim Schieren aus?
Das charakteristischste Anzeichen einer normalen Entwicklung ist ein rotes, strahlenförmig verzweigtes Netz aus Blutgefäßen. In dessen Nähe befindet sich ein dunklerer Punkt oder Schatten, der dem Embryo entspricht und im Verlauf der weiteren Brut einen immer größeren Teil des Eiinhalts einnimmt. Um den 7. Bruttag sollten die Gefäße bereits deutlich erkennbar sein. Unter günstigen Beobachtungsbedingungen kann außerdem eine Bewegung des Embryos festgestellt werden.
Im weiteren Verlauf wird der Inhalt des Eis zunehmend dunkler, da der wachsende Embryo und die Eihäute immer mehr Raum einnehmen. Gleichzeitig sollte sich die Luftkammer am stumpfen Ende infolge des kontrollierten Wasserverlusts vergrößern. Kurz vor dem Schlupf dringt das Licht hauptsächlich durch die Luftkammer, während der übrige Teil des Eis beinahe vollständig verdunkelt erscheint.
Erscheinungsbild des Eis in den einzelnen Brutphasen
| Bruttag | Bild beim Schieren | Interpretation |
|---|---|---|
| 1.–3. Tag | Kein erkennbares Blutgefäßnetz oder nur sehr feine Veränderungen | Für eine zuverlässige Beurteilung noch zu früh |
| 5.–7. Tag | Rote Blutgefäße und ein kleiner dunkler Punkt | In der Regel ein normal entwickelter Embryo |
| 8.–10. Tag | Ausgedehntes Gefäßnetz, größerer Schatten und mögliche Bewegung | Deutliche Anzeichen der Lebensfähigkeit |
| 11.–14. Tag | Ein großer Teil des Eis ist dunkel, Gefäße bleiben noch sichtbar | Fortschreitende Embryonalentwicklung |
| 15.–18. Tag | Fast das gesamte Ei ist dunkel, die Luftkammer deutlich erkennbar | Fortgeschrittene Entwicklung vor dem Schlupf |
| Um den 21. Tag | Starke Verdunkelung, veränderte Luftkammer sowie Anpicken der Membranen und Schale | Beginn des Schlupfvorgangs |
Wie sieht ein unbefruchtetes Ei aus?
Ein unbefruchtetes Ei bleibt beim Schieren verhältnismäßig klar, weil sich weder ein Blutgefäßnetz noch ein größer werdender Embryonalschatten bildet. Sichtbar sind gegebenenfalls lediglich der Dotter als schwache, bewegliche Verschattung und die Luftkammer am breiten Ende des Eis.
In den ersten Tagen reicht dieses Bild jedoch nicht aus, um das Ei vorschnell auszusortieren. Bei einer dunklen Schale, einem zu schwachen Schiergerät oder einer ungünstigen Ausrichtung der Lichtquelle können die Gefäße trotz einer begonnenen Entwicklung unsichtbar bleiben. Wenn der Befund am 5. oder 6. Tag nicht eindeutig ist, sollte das Ei gekennzeichnet und nach 24–48 Stunden erneut kontrolliert werden.
Erst wenn das Ei auch bei einer späteren Kontrolle vollständig klar bleibt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich unbefruchtet ist. In Brütereien sollte die endgültige Bewertung der Fertilitätsrate anhand der Untersuchung einer repräsentativen Stichprobe klarer Eier erfolgen, da das Schieren allein nicht zuverlässig zwischen Unbefruchtetheit und einer sehr frühen embryonalen Mortalität unterscheiden kann.
Was bedeutet ein Blutring im Ei?
Ein Blutring ist eine vollständige oder teilweise ringförmige Linie, die beim Schieren sichtbar wird, wenn der Embryo in einer frühen Phase der Brut abgestorben ist. Nachdem der Blutkreislauf zum Stillstand gekommen ist, kann sich das Blut in die peripheren Gefäße der Eihäute zurückziehen und den charakteristischen roten Ring bilden. Die University of Illinois Extension nennt Blutringe und Blutstreifen als wesentliche Anzeichen eines frühen embryonalen Absterbens.
Ein einzelner Fall deutet nicht zwangsläufig auf ein Problem der gesamten Charge hin. Wenn die Zahl der Eier mit Blutring jedoch deutlich zunimmt, sollten die Qualität der Bruteier, Lagerungs- und Transportbedingungen, der Anwärmeprozess zu Beginn der Brut, die Temperaturstabilität im Vorbrüter, die Prozesshygiene sowie der Gesundheitsstatus der Elterntierherde analysiert werden. Das beim Schieren erkennbare Bild kann Hinweise auf den Zeitpunkt des Problems geben, erlaubt aber keine automatische Feststellung seiner Ursache.
Bedeutet das Fehlen sichtbarer Blutgefäße immer, dass das Ei unbefruchtet ist?
Fehlende sichtbare Blutgefäße sind kein eindeutiger Beweis für eine ausbleibende Befruchtung. Mindestens vier verschiedene Situationen können zu einem ähnlichen Bild führen: tatsächliche Unbefruchtetheit, Absterben des Embryos vor Brutbeginn, sehr frühe Mortalität nach dem Einlegen oder eine durch die Eigenschaften der Schale eingeschränkte Sichtbarkeit.
Diese Unterscheidung ist in einer professionellen Brüterei besonders wichtig. Wenn sämtliche klaren Eier automatisch als unbefruchtet eingestuft werden, kann die tatsächliche Fertilitätsrate der Elterntierherde unterschätzt werden. Gleichzeitig bleibt möglicherweise ein Problem bei der Lagerung, beim Transport oder während des Brutbeginns unerkannt. Aviagen empfiehlt deshalb, den Inhalt einer Stichprobe klarer Eier zu untersuchen, um eine wirkliche Unbefruchtetheit von einer frühen embryonalen Mortalität unterscheiden zu können.
Die wichtigsten diagnostischen Bilder beim Schieren
| Bild im Schiergerät | Wahrscheinlichste Bedeutung | Empfohlenes Vorgehen |
|---|---|---|
| Klarer Inhalt ohne Blutgefäße | Unbefruchtetes Ei oder sehr frühes Absterben des Embryos | Kontrolle wiederholen; bei einer professionellen Analyse eine Stichprobe öffnen |
| Deutliches Gefäßnetz und dunkler Punkt | Lebender, sich entwickelnder Embryo | Brut fortsetzen |
| Blutring oder Blutstreifen | Frühe embryonale Mortalität | Nach Bestätigung entfernen und bei der Verlustanalyse berücksichtigen |
| Dunkle, unbewegliche Masse ohne deutlich erkennbare Gefäße | Mögliches Absterben in einer späteren Entwicklungsphase | Mit normalen Eiern vergleichen und eine Bruchanalyse durchführen |
| Verdunkelung mit klarer Luftkammer gegen Ende der Brut | Fortgeschrittene normale Entwicklung | Unnötige Manipulationen vermeiden |
| Unregelmäßige oder verschobene Luftkammer | Möglicher Transportschaden oder unsachgemäße Lagerung | Ei kennzeichnen und weitere Entwicklung überwachen |
Diagramm 1. Diagnostischer Nutzen des Schierens an den einzelnen Bruttagen
Das folgende Diagramm zeigt eine praktische, qualitative Bewertung des Nutzens der Schierkontrolle. Es stellt keine prozentuale Überlebensrate der Embryonen dar, sondern veranschaulicht die Zeiträume, in denen der Eiinhalts am besten beurteilt werden kann.

Während der ersten drei Tage ist das Ergebnis in der Regel zu unsicher, um auf dieser Grundlage ein Ei auszusortieren. Zwischen dem 5. und 7. Tag wird das Blutgefäßnetz deutlich sichtbar. In der mittleren Brutphase lässt sich die Lebensfähigkeit leichter beurteilen, auch wenn die zunehmende Verdunkelung des Eis die Erkennbarkeit einzelner Strukturen allmählich einschränkt.
Diagramm 2. Auswertung des Ergebnisses einer Schierkontrolle

Die häufigsten Fehler beim Schieren von Eiern
Zu den häufigsten Fehlern gehört eine zu früh durchgeführte erste Selektion. Wenn am 2. oder 3. Bruttag noch keine Blutgefäße sichtbar sind, darf dies insbesondere bei braunen oder dickschaligen Eiern nicht als ausreichender Grund für das Aussortieren betrachtet werden. Die Entwicklung kann korrekt begonnen haben, während die entsprechenden Strukturen noch zu klein sind, um sie ohne ausreichende Erfahrung und geeignete Ausrüstung zu erkennen.
Ein weiteres Problem ist eine zu schwache oder stark gestreute Lichtquelle. Eine gewöhnliche LED-Taschenlampe kann bei Eiern mit heller Schale ausreichend sein, bietet bei dunkleren Eiern jedoch meist keinen geeigneten Kontrast. Der Versuch, eine unzureichende Beleuchtung durch eine besonders lange Untersuchungsdauer auszugleichen, verlängert die Zeit außerhalb des stabilen Brutklimas, ohne ein zuverlässigeres Ergebnis zu garantieren.
Auch intensives Drehen, Schütteln oder wiederholtes Umlegen der Eier ist problematisch. Der Embryo und die sich entwickelnden Eihäute reagieren empfindlich auf mechanische Belastungen, weshalb sämtliche Bewegungen ruhig und kontrolliert erfolgen sollten. Eier dürfen außerdem nicht allein aufgrund eines zweifelhaften Bildes entfernt werden. Sicherer ist es, sie zu kennzeichnen und zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu überprüfen.
In der professionellen Produktion stellt eine unzureichende Dokumentation einen weiteren wesentlichen Fehler dar. Das Entfernen klarer Eier verbessert zwar die Hygiene und Nutzung der Anlagenkapazität, liefert allein jedoch keine Informationen, die für die Steuerung der Produktionsergebnisse erforderlich sind. Die Anzahl unbefruchteter Eier, früh und spät abgestorbener Embryonen sowie aus anderen Gründen aussortierter Eier sollte in Verbindung mit der jeweiligen Elterntierherde, dem Herdenalter, dem Legedatum, der Lagerungsdauer und dem verwendeten Vorbrüter erfasst werden.
Eier in einer professionellen Brüterei schieren
Unter industriellen Bedingungen dient das Schieren nicht nur dazu, festzustellen, ob sich in einem Ei ein Embryo befindet. Es ist Bestandteil eines umfassenden Systems zur Prozesskontrolle, mit dem die Fertilität, frühe embryonale Mortalität, Gleichmäßigkeit der Entwicklung und Auslastung der Anlagen beurteilt werden können. Klare Eier werden ebenfalls entfernt, weil sie keinen wertvollen Platz im Schlupfbrüter beanspruchen sollten. Ihr längerer Verbleib im System kann außerdem das Risiko einer Zersetzung des Inhalts und einer mikrobiellen Kontamination erhöhen.
Die Ergebnisse des Schierens sollten gemeinsam mit der Anzahl der Küken erster Qualität, der Mortalität in den einzelnen Entwicklungsphasen, dem Schlupfzeitpunkt, der Nabelqualität und dem Anteil nicht geschlüpfter Eier ausgewertet werden. Erst durch die Verbindung dieser Daten lässt sich feststellen, ob die Ursache der Verluste auf dem Elterntierbetrieb, während der Lagerung und des Transports oder innerhalb der Brüterei liegt.
Veterinary Support bietet eine professionelle Unterstützung für Geflügelbrütereien, die unter anderem die Qualitätsbeurteilung von Bruteiern, die Analyse einer verminderten Schlupffähigkeit, Labordiagnostik, die Bewertung der Kükenqualität und die Optimierung der Brutparameter umfasst. Regelmäßige Schierkontrollen liefern wichtige Informationen. Ihren größten Nutzen entfalten sie jedoch erst, wenn die Ergebnisse im Zusammenhang mit dem gesamten Produktionsprozess fachgerecht interpretiert werden.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Ob ein Ei befruchtet ist, lässt sich weder anhand seiner Schale noch unmittelbar nach dem Legen durch Schieren zuverlässig erkennen. Die deutlichste Bestätigung einer begonnenen Entwicklung erhält man normalerweise zwischen dem 5. und 7. Bruttag, wenn ein verzweigtes Blutgefäßnetz und der Schatten des Embryos sichtbar werden. Ein Ei, das klar bleibt, kann unbefruchtet sein, möglicherweise enthält es jedoch einen Embryo, der in einem sehr frühen Stadium abgestorben ist. Eine professionelle Fertilitätsbeurteilung sollte deshalb durch die Untersuchung des Inhalts einer repräsentativen Stichprobe klarer Eier ergänzt werden.
Das Schieren ist eine hilfreiche und sichere Untersuchungsmethode, wenn die Kontrolle zügig, in einem abgedunkelten Raum und mit einer kühlen Lichtquelle durchgeführt wird und unklare Befunde erneut überprüft werden. In einer Brüterei sollte die Methode Bestandteil eines umfassenden Qualitätskontrollprogramms sein und nicht als alleinige Grundlage für die Diagnose sämtlicher Ursachen von Brutverlusten dienen.
FAQ – häufig gestellte Fragen
Nach wie vielen Tagen kann man erkennen, ob ein Ei befruchtet ist?
Erste Anzeichen einer Entwicklung können bereits nach mehreren Tagen sichtbar sein. Der praktisch sinnvollste Zeitpunkt für die erste Schierkontrolle von Hühnereiern liegt jedoch normalerweise zwischen dem 5. und 7. Bruttag. Eier mit einer dunklen oder dicken Schale sollten gegebenenfalls später beurteilt werden, da die Pigmentierung das Erkennen des feinen Blutgefäßnetzes erschwert.
Wie sieht ein befruchtetes Ei nach sieben Tagen aus?
In einem normal entwickelten Ei erkennt man ein ausgedehntes Netz roter Blutgefäße, einen dunkleren Punkt, der dem Embryo entspricht, und gelegentlich dessen Bewegung. Die Luftkammer bleibt am breiten Ende des Eis sichtbar.
Wie sieht ein unbefruchtetes Ei beim Schieren aus?
Ein unbefruchtetes Ei bleibt verhältnismäßig klar und enthält kein sichtbares Gefäßnetz. Erkennbar sind möglicherweise nur der Schatten des Dotters und die Luftkammer. Ein vergleichbares Bild kann jedoch auch nach einem sehr frühen Absterben des Embryos entstehen, weshalb eine eindeutige Unterscheidung manchmal das Öffnen des Eis erfordert.
Was bedeutet ein roter Ring im Ei?
Ein roter Ring, der als Blutring bezeichnet wird, ist meistens ein Anzeichen für ein frühes Absterben des Embryos. Er entsteht, nachdem der Blutkreislauf zum Stillstand gekommen ist und sich das Blut in die äußeren Gefäße der Eihäute zurückgezogen hat.
Kann man Eier mit einer normalen Taschenlampe schieren?
Eine leistungsstarke LED-Taschenlampe kann für Eier mit heller und relativ dünner Schale ausreichen. Ein spezielles Schiergerät bietet jedoch einen besseren Kontrast und begrenzt den seitlichen Lichtaustritt. Bei braunen Eiern kann eine schwache Taschenlampe dazu führen, dass ein normal entwickeltes Ei irrtümlich als unbefruchtet eingestuft wird.
Kann das Schieren dem Embryo schaden?
Eine kurze und vorsichtig durchgeführte Untersuchung mit einer kühlen Lichtquelle sollte einem normal entwickelten Embryo nicht schaden. Das Risiko steigt, wenn die Eier zu lange außerhalb der Brutmaschine bleiben, erwärmt, geschüttelt oder unnötig häufig kontrolliert werden.
Wie oft dürfen Eier geschiert werden?
Bei einer kleinen Brut reichen normalerweise zwei oder drei Kontrollen aus, beispielsweise um den 7., 14. und 18. Tag. Eine tägliche Untersuchung bietet keine entsprechend größeren Vorteile, erhöht aber die Zahl der Manipulationen und das Risiko von Schwankungen der Brutbedingungen.
Bedeutet ein sich bewegender Embryo, dass sich das Ei normal entwickelt?
Eine Bewegung ist ein positives Lebenszeichen, garantiert aber keinen erfolgreichen Abschluss der Brut. Zusätzlich sollten das Blutgefäßnetz, die Größe der Luftkammer, der Grad der Verdunkelung und die Bedingungen in der Brutmaschine beurteilt werden.
Enthält ein dunkles Ei immer einen lebenden Embryo?
Nein. In einer späteren Brutphase können sowohl ein lebender als auch ein erst kürzlich abgestorbener Embryo zu einer starken Verdunkelung des Eiinhalts führen. Auf die Lebensfähigkeit weisen vor allem intakte Blutgefäße, normal aussehende Eihäute, beobachtete Bewegungen und Veränderungen bei einer späteren Kontrolle hin.
Wann sollte ein Ei aus der Brutmaschine entfernt werden?
Ein Ei kann entfernt werden, nachdem das Fehlen einer Entwicklung, ein Blutring oder andere eindeutige Anzeichen embryonalen Absterbens bestätigt wurden. Undichte oder beschädigte Eier sowie Eier, die unangenehm riechen oder Anzeichen von Zersetzung zeigen, erfordern besondere Vorsicht, da sie die übrigen Bruteier kontaminieren können.
Quellen
- University of Illinois Extension – Candling Eggs
- University of Illinois Extension – Incubation and Embryology Q&A
- University of Illinois Extension – Incubation and Embryology Checklist
- Aviagen – Identify Infertile Eggs and Early Deads




